Rani, die Zirkus-Elefantin

Rani ist eine heute 38jährige Elefantin des Zirkus’ „The Great Grand“ aus Bombay.  Ihr Name bedeutet „Königin“, doch ihr Leben war bisher alles andere als majestätisch.

Rani musste in der Manege Kunststücke auf Podesten vorführen. Man stelle sich vor, wie solch ein tonnenschweres Tier auf einem zu kleinen kreisrunden Podest sein Gewicht ausbalanciert. Elefanten sind für solche Kunststücke denkbar ungeeignet. Als Folge hat Rani heute verkrüppelte Beine und Füße.

1998 wurde die Elefantenkuh von einer Tierschützerin befreit und mit ihren beiden Mahouts in den Bhandipur National Park gebracht, wo sie ausgewildert werden sollte. Der in Gefangenschaft aufgewachsene Elefant hatte jedoch nie gelernt, für sich selbst zu sorgen. Im Zirkus wurde sie stets mit Reis gefüttert. In der freien Wildbahn fehlte ihr die Rüsselmotorik, um zu grasen. Vor lauter Hunger fraß sie statt Gras und Blättern plötzlich trockene Stöcke. An Menschen gewöhnt, ging sie in die Dörfer, zerstörte dort Ernten und verspeiste das Gras von den Dächern der Häuser. Die früher viel zu übergewichtige, sechs Tonnen schwere Elefantin magerte auf unter drei Tonnen ab, was viel zu wenig Gewicht war.

Wie die meisten gefangenen Elefanten ist Rani nicht sozialisiert, da sie ein Leben in Isolation verbracht hat. Sie schließt sich keiner Herde an und Bullen, die sie decken wollten, fügten ihr mit den Stoßzähnen schwere Verletzungen zu, so dass sie inzwischen Angst vor ihren wilden Artgenossen hat.

Heute kehrt Rani, die den Tag im Dschungel verbringt, jeden Abend zu ihren Mahouts zurück, die sie dann baden und füttern. Bei ihr sind zwei Baby-Elefanten, ein Waisenkind dessen Mutter von einem herab fallenden Stromkabel erschlagen wurde und eines, das von seiner Mutter, einer Arbeitselefantin getrennt lebt. Bei diesen Kleinen kann Rani die Mutterrolle übernehmen. Obwohl sie heute einen recht zufriedenen Eindruck macht, muss das Projekt der Auswilderung als gescheitert angesehen werden. Allein ihre verkrüppelten Zehen brauchen regelmäßig Pflege, damit die Elefantin überhaupt laufen kann.