Raja, der blinde Riese

Raja, einer der letzten großen Stoßzahnträger, kam am 29. März 1994 in das Elephant Orphanage nach Pinnawala auf Sri Lanka. Damals war er ungefähr 40 Jahre alt. Wilderer hatten versucht, ihn zu erschießen. Unzählige Kugeln trafen das majestätische Tier. Dabei wurden ihm seinen Schwanz abgetrennt und beide Augen ausgeschossen. Der blinde Koloss flüchtete immer tiefer in den Dschungel. Dort irrte er hilflos umher, bis Wildhüter ihn einfingen und nach Pinnawala brachten.

Dass Ausschießen der Augen, ist eine übliche Methode der buddhistischen Landbevölkerung, einen Ernteräuber zu vertreiben. Einen Elefanten zu töten, ist für sie moralisch verwerflich. Raja hat das Märtyrium nur überlebt, weil er so kräftig war. Die Wilderer hat man - wie üblich - nicht gefasst.

Am Anfang war es schwierig, Raja zu besänftigen. Heute ist er ein ruhiger Elefant geworden, der aber immer noch sehr kräftig ist. Vor einiger Zeit ist er von dem Bullen Neela, der sich im Camp befreit hatte, attackiert worden und Raja konnte sich trotz seines Handicaps beeindruckend verteidigen.

Da weiterhin nicht ausreichend Geld für Bullengehege vorhanden ist oder das vorhandene nicht dafür ausgegeben wird, steht Raja den ganzen Tag angekettet an ein und demselben Platz im Elephant Orphanage. Vor allem im Sommer leidet er unter schmerzhafter Fußfäule. Der Bulle schläft im Stehen. Noch heute, zwölf Jahre nach dem Anschlag auf ihn, treten Gewehrprojektile an die Oberfläche seiner Haut.

Zwei Mal am Tag wird der Elefant zum Baden in den Fluss geführt. Der Arbeitselefant Kandule ist ihm zur Seite gestellt worden. Er schleppt für Raja die großen Futtermengen heran, begleitet ihn zum Baden und sorgt dafür, die Einsamkeit ein wenig zu verringern.