Sie nennen es Training

Foto: Savitha Nagabushan

Die aus der Wildnis gefangenen Elefanten müssen gezähmt werden. Das hört sich harmlos an, ist aber ein grausamer Akt, in dem das Tier physisch und psychisch gebrochen wird. Ein Drittel aller Wildfänge stirbt während dieses Prozesses, oft an einem Zuckerschock. Als in früheren Zeiten ganze Elefantenherden in einer Khedda - einer riesigen Treibjagd - gefangen wurden, starben drei Viertel der Elefanten. Sobald das Tor hinter den Wildfängen herunter fiel, stürzten die in Panik versetzten Tiere durcheinander und trampelten sich gegenseitig tot, liefen schreiend umher und starben an Herzschlag. Seit Jahrtausenden werden sterbende Elefanten hingenommen.

Der Elefantenmann Karl Kock schätzt, dass insgesamt die Hälfte aller Elefanten den Fang oder die anschließende Zähmung nicht überlebten: „ . . .; entweder starben sie am Schock des Fangs oder eher noch an den Verletzungen beim Brechen ihres Willens. Wenn also ein Elefant solch ein Fängercamp lebend wieder verließ, gehörte er bestimmt zu den selbstsicheren und kräftigen. Wurde er aber vom Schrecken des Einbrechens je wieder geheilt?"

Die Trainingsmethoden haben sich nicht verändert. Verändert hat sich eher die Unwissenheit der Mahouts, die die Tortour der Elefanten noch verschlimmert. Unwissenheit wird mit extremer Gewalt kompensiert. Der Mahout muss das Tier dominieren, um es befehlen zu können.
Der Unterschied in Statur und Kraft zwischen Mensch und Elefant kann nur durch Brutalität und psychischen Druck ausgeglichen werden, so glaubt man in Indien. Das Tier wird diagonal angekettet und von mehreren Mahouts mit Stangen, Stöcken und Haken malträtiert und in einen konstanten Zustand von Angst versetzt. Oft wird der Wildfang unter Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug gesetzt sowie ungeschützt der Sonne ausgesetzt, um das Tier zusätzlich zu schwächen.

Elefantentrainer in Europa arbeiten nicht gern mit einem Tier, dass so gefügig gemacht wurde, denn die Folgen sind unabsehbar. Niemand kann sagen, ob und wann sich das Tier einmal rächt. Wir wissen, dass Elefanten hervorragende Langzeitgedächtnisse haben und diese Qualen nie vergessen.

Der Elefantentrainer Karl Kock ist der Ansicht, dass kein Elefant bei der Zähmung gebrochen werden muss. Er beschreibt in seinem Buch Trainingsmethoden in Thailand und Indien.

„Wir kamen gerade zurecht, mit anzusehen, wie solch ein kleiner Elefant gezähmt wurde. Kaum hatte ein Bulle die Mutter weggeführt, wurde der Kleine in einen Käfig getrieben, der vorn spitz zulief. Dort schnürten die Mahouts ihn wie ein Paket zusammen und ließen ihn stehen. Der Kleine konnte weder vor noch zurück, konnte weder die Beine bewegen noch den Kopf. Verzweifelt zerrte er mit seinem Rüssel an den Fesseln, schrie und tobte, aber die Bambusstämme, die dicken Stricke waren stärker. Nach ein paar Stunden verließ ihn die Kraft. Er konnte nicht einmal umfallen, geschweige denn sich schlafen legen. Fielen ihm dann vor Erschöpfung die Augen zu, wurde er wieder angestoßen und am ganzen Körper betastet. Sein Wille sollte gebrochen werden. Fassungslos sahen wir dieser Folter zu. … So ging es fast eine Woche lang.“
Kock, Karl: Elefanten-Mein Leben , Hamburg 1994, Seite 95

Seine Beschreibung von Indien: „. . . In diesen Fängercamp gingen die Mahouts noch härter mit den kleinen Elefanten um, als ich es in Thailand gesehen hatte. Als den Kleinen ein paar Tage später die Fesseln gelöst wurden, um sie zum Baden zu führen, lief ihnen der Eiter aus den tiefen Einschnürungen der Stricke. Dieser Anblick war kaum zu ertragen.“ 
Ebenda Seite 128/129