Früher wurde der Beruf des Mahouts, des Elefantentreibers oder –führers, wie ein Königreich vererbt. Die Geschichten der Mahouts, die ihr ganzes Leben mit ihrem Elefanten verbringen und ihn nach ihrem Tod an ihren Sohn weiter geben, gehören ins Reich der Legenden. Dieses traditionelle Bild des Menschen, der mit seinem Elefanten lebenslang in inniger Freundschaft verbunden ist, entspricht nur noch in seltenen Fällen der Realität.
Einst gehörte der Beruf des Mahouts zur Ausbildung der Prinzen. Heute ist dieser Beruf wenig angesehen - bei gleich bleibenden Anforderungen: Ein Mahout verbringt mindestens 12 Stunden mit dem Tier, meist sind es 24. Oft lebt er auf dem gleichen Grundstück und organisiert sein ganzes Leben um die Bedürfnisse des Tieres. Er hat eine besondere Verantwortung für ein großes, intelligentes, kräftiges und potentiell riskantes Tier. Auch wenn Elefanten nicht von Natur aus feindlich sind, können sie für den Menschen sehr gefährlich werden. Wachsamkeit ist von entscheidender Bedeutung.
Die Bezahlung ist gering. Mahouts verdienen oft weniger als Lkw- oder Taxifahrer. Erst ein Elefantentreiber mit 25jähriger Berufserfahrung verdient etwa 6000 Rupien, was rund 120 Euro monatlich entspricht. Während ihres Arbeitslebens werden Mahouts oft mehrfach verletzt. Solche Verletzungen können auch ein Versehen sein, denn schon ein lässiger Schwung mit dem Rüssel kann Knochen brechen. Mahouts sind nicht versichert, und ein Unfall mit ihrem Elefanten kann sie jahrelang in finanzielle Nöte bringen.
Heute ergreifen diesen Beruf oft Menschen, die unerfahren sind und sonst kaum Chancen haben. Während Mahouterie früher eine Lebensstellung war, bleiben die Männer heute im Schnitt nur noch zwei Jahre in einer Stellung. Eine fatale Entwicklung, wenn man bedenkt, dass allein schon mit 10 bis 12 Jahren Praxis gerechnet wird, um einen solchen Beruf verantwortungsvoll zu erlernen.