Timberelefanten und Bettel-Elefanten

Im Bundesstaat Assam, im Norden Indiens, leben die meisten gefangenen Elefanten. Viele von ihnen arbeiteten in der Holzindustrie, doch seit 1996 der Oberste Gerichtshof die Abholzung der Wälder verboten hat, sind die meisten dieser Timberelefanten arbeitslos geworden.
Der Begriff Timberelefant ist erst 1992 eingeführt worden und bezeichnet Elefanten, die in Holzfällerlagern arbeiten und Baumstämme durch unwegsames Gelände tragen, sie auf Lastwagen heben und beim Flössen helfen. Solche Elefanten werden u.a. genötigt, von einer Anhöhe hinab gestoßene Baumstämme mit dem Kopf zu stoppen. Obwohl das Leben im Dschungel ihrer natürlichen Umgebung am nächsten kommt, geht es Timberelefanten teilweise schlechter als ihren Artgenossen in den Städten, da sie noch stärker misshandelt werden.

Viele von ihnen werden heute einmal quer über den Sukontinent von Assam nach Kerala transferiert, wo die Nachfrage nach Elefanten groß ist. Andere ehemalige Timberelefanten sind zum Betteln verdammt. Die Besitzer schicken die arbeitslosen Dickhäuter auf die Straßen, um vorbeifahrende Autos um Almosen anzubetteln, oder es wird versucht, auf Märkten um Geld und Essen zu betteln.
Die Einkünfte der Bettelelefanten sind weit geringer als die Einnahmen, die sie früher mit dem Schleppen von Baumstämmen verdient haben. Meist reicht das Geld nicht einmal für das Futter und die medizinische Versorgung.

„Zum ersten Mal sah ich erwachsene Bullen bei der Arbeit. In diesen Camps arbeiteten immer zwei Bullen und drei Kühe in einer Gruppe zusammen. Sie stapelten Teakholzstämme an einer kleinen Straße auf. Teakholz ist schwer, und die Stämme waren mehr als acht Meter lang. Aber die Bullen arbeiteten sauber und umsichtig, hoben jeden Stamm genau im Schwerpunkt mit den Stoßzähnen an, schwenkten ihn, ohne irgendwo anzustoßen, trugen ihn scheinbar mühelos und setzten ihn vorsichtig und  präzise wieder ab. Sie arbeiteten fast selbständig, mehr als einmal sah ich, wie ein Bulle die Kette seines Geschirrs mit dem Rüssel beiseite legte, damit sie nicht zwischen die Stämme geriet. Der Bulle tat das ohne Befehl, er dachte bei der Arbeit mit.“
Kock, Karl: Elefanten mein Leben, Hamburg 1994, Seite 99