Wenn Tiere weinen

Der Elefantentrainer Karl Kock berichtet von seinem Versuch, einen Elefanten zu retten, der bereits drei Jahre „mutterseelenallein in seinem Gefängnis“ auf Mallorca stand. Das Tier wurde ausschließlich von Küchenabfällen eines Hotels ernährt und hatte außer dem Moment des Ausmistens keinerlei Kontakt zu lebenden Wesen. „Als wir nach Stunden doch wieder gehen mussten, reckte er uns seinen Rüssel  nach und zirpte wieder. Ich bin seit dem Tag überzeugt, daß Elefanten weinen können. Wir hörten ihn noch lange flehen, als wir weinend das Gefängnis hinter uns geschlossen hatten. . . Als wir die Schlüssel abgaben, sprachen wir mit dem Besitzer. ,Nein’, sagte er, ,den Elefanten verkauf’ ich nicht. Das ist mein Hobby.'"

Kock, Karl: Elefanten - Mein Leben, Hamburg 1994, Seite 157/158

Generell wird Tieren die Fähigkeit abgesprochen emotionale Tränen zu vergießen. Charles Darwin machte beim Indischen Elefanten eine Ausnahme. Es gibt Berichte über Elefanten, die aus Trauer oder Schmerz Tränen vergossen haben, weil sie von Artgenossen getrennt wurden, starben oder Schlägen und Demütigungen ausgesetzt waren. In Indien ist der Glaube, dass Elefanten Tränen aus Kummer vergießen, weit verbreitet.
Die meisten weinenden Elefanten, die beobachtet wurden, lagen auf der Seite. Wenn Elefanten stehen, fließt die Tränenflüssigkeit durch die nasolacrimalen Kanäle ab ins Innere des Rüssels. Auch andere Tiere wie Affen und Hunde wurden weinend beobachtet. Letztlich sind Tränen selbst kein Leid, sondern Ausdruck von Leiden. Doch die Tiere, die weinten, litten alle - auch wenn ihre Tränen möglicherweise eine mechanische Ursache hatten.