Der Familien-Clan

Elefanten sind hochsoziale Tiere mit extrem ausgeprägten mütterlichen Verhaltensweisen, die selbst von Tieren ausgeübt werden, die keinen Nachwuchs haben.
Großmütter, Mütter, Schwestern und ihre Kinder bilden Elefantenclans, die stets von einer oder mehreren Matriarchinnen angeführt werden. Diese Elefantinnen sind lebenslang miteinander verbunden, nehmen Rücksicht aufeinander, sorgen sich um Nachwuchs anderer und um kranke Artgenossen.
Ist eine Elefantin beispielsweise verletzt, passen sich die anderen ihrem langsamen Tempo an, stecken ihnen zur Beatmung den Rüssel ins Maul, legen blutstillenden Lehm auf Wunden und helfen Verwundeten auf die Beine.

Elefantenkinder wachsen von allen Mitgliedern des Clans geschützt und behütet auf. Bis ein Elefantenkind erwachsen ist, dauert es ungefähr zehn bis 15 Jahre – eine lange Zeit, in der es viel zu lernen gibt, um später ein fähiges Mitglied dieser matriachalischen Gesellschaft zu sein. Junge Bullen verlassen mit ungefähr zehn bis 15 Jahren, wenn sie pubertieren, die Herde, formen eigene Verbände oder führen ein Leben als Einzelgänger. Sie halten sich nur in den weiblich organisierten Herden auf, wenn sie in Musth sind oder eines der Weibchen östrisch ist.

Elefanten sind einander sehr nah. Gewöhnlich gibt es die stärksten Bindungen zwischen Müttern und Kindern, aber auch Vorlieben für andere Mitglieder des Clans sind sichtbar.Nur wenn Elefantenkinder in ihrem sozialen Verband, den Mutterfamilien aufwachsen, können sie sich optimal entwickeln. Nachwuchs, der durch den Menschen zu früh (oft mit einem oder zwei Jahren) von ihren Müttern und Tanten entwöhnt wurde, hat enorme Defizite. Oft erholen sich die kleinen Elefanten jahrelang nicht von diesem Trauma. In Afrika wurden Beobachtungen von Kälbern gemacht, deren Familie wegen des Elfenbeins getötet wurde. Diese Elefantenkinder wachten nachts auf Grund alpdruckartiger Erinnerungen schreiend auf. Zoowärter berichteten, dass Elefanten den „Sekundenherztot“ erlitten, also an „gebrochenem Herzen“ starben, weil man sie von ihrer Gruppe trennte.

Waisenkinder lernen nicht den perfekten Gebrauch des Rüssels zur Futterausnahme. Sie sind somit oft nicht in der Lage die großen Mengen Futter (täglich 5 Prozent des eigenen Körpergewichts) aufzunehmen. Sie sind häufig unterentwickelt, liegen im Wachstum zurück, werden krank, entwickeln Bewegungsstereotypien, wie das „Weben“, und sind selbst oft nicht in der Lage, Kinder zu zeugen oder diese zu versorgen.

Elefanten trauern um ihre Toten

Wie tief emotional Elefanten miteinander verbunden sind, wird auch deutlich, wenn ein Elefant stirbt. Seine Verwandten trauern und halten mehrere Tage Totenwache. Von Afrikanischen Elefanten wurde berichtet, dass sie die Kadaver mit Ästen und Blättern bedecken. Babys verlassen ihre toten Mütter auch nicht, wenn die Herde nach einiger Zeit weiterzieht. Sie sind im Dschungel verloren und werden manchmal von Wildhütern gefunden.
Von einer Elefantenkuh in Afrika wurde berichtet, dass sie ihr totes Kalb immer mit sich herumtrug und es da ablegte, wo sie fraß oder trank. Die Kuh konnte mit der Herde nicht mithalten, aber ihr Clan wartete auf sie. Es wird deutlich wie sehr Elefanten um ihre Toten trauern und offensichtlich auch eine Vorstellung vom Tod haben.
Aus der Arbeit mit gefangen Elefanten weiß man, dass Elefanten auch Launen haben wie wir Menschen. Sie können sowohl voller Freude sein, als auch an einem anderen Tag wahre Miesepeter.

„Und erst jetzt, als wir auf einander angewiesen waren, kamen wir richtig auf Tuchfühlung. Ich merkte wie dankbar sie für jede Stunde waren, die ich nur ihnen widmete. Ich merkte, wie zärtlich und liebebedürftig Elefanten sind, und manchmal dachte ich, wenn sie nicht so groß wären, würden sie mir auf den Schoß kriechen.“
Kock, Karl: Elefanten-Mein Leben, Hamburg 1994, Seite 42